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Geschrieben von: Jugendförderung MK

"Wer ist bei dir gestorben?"

Was soll man erwidern wenn man gerade mit einem 6 Jährigen Mädchen seine Familie gemalt hat und sie dich fragt wer von meiner Familie alles beim Erdbeben gestorben ist, nachdem sie ihre Mutter und ihren Bruder durchgestrichen hat? Man kann ihr nur erklären, dass das Erbeben nur in Nepal war, bei meiner Familie alle leben und man gegen Naturkatastrophen nichts machen kann.

Wo die Westliche Welt allerdings zweifellos Mitschuld hat ist die allgegenwärtige Armut. Eins der Länder mit einem der geringsten BIPS der Welt wird von globalisierten Megakonzernen kontrolliert. Nestle, Unilever und Coca Cola bestimmen die Produktauswahl und es gibt nur noch eine Scheinwahl Coca Cola oder Pepsi, Knorr oder Maggi, Milka oder Kinder Schokolade? Das wenige Geld was die Nepalesen haben fließt in westliche Firmen. Dies passiert auf einer Preisbasis bei dem kein nepalisches Unternehmen mithalten kann, eine Cola kostet im Restaurant 40 Rupien umgerechnet 32 Eurocent.

Hinzu kommt die Korruption die in der "Scheindemokratie" herrscht. "Sie können dieses Kind nur in ihrem Kinderhaus aufnehmen wenn sie mir die 10.000 Rupien überweisen." Diese und andere Sätze bekommen die Mitarbeitern meines Kinderheims beinah täglich zu hören, sie werden zu Kriminalität gezwungen nur weil sie helfen wollen. Durch die ständigen Blockaden der Regierungsinstitutionen ist eine effiziente Arbeit der Hilfsorganisationen unmöglich. Die Aufbauarbeiten die im Moment dringend gebraucht werden [Das Erdbeben hat hunderttausende Obdachlos gemacht] werden ebenfalls blockiert. Man darf Obdachlose nur mit einem bestimmten Betrag unterstützen, den die Regierung festgesetzt hat. Dieser Betrag ist allerdings viel zu gering festgelegt und treibt immer mehr Menschen in Slums.

In den Slums ist die Armut so groß, dass anstatt zu essen Drogen genommen werden die den Hunger stillen. Wirtschaft ist laut Definition dazu dar, der planvollen Befriedigung der Bedürfnisse [zu] dienen.[^1] Wenn allerdings täglich die Hälfte aller Nahrungsmittel die produziert werden im Müll landen [^2] und gleichzeitig Kinder Drogen nehmen müssen um nicht den Hungern spüren zu müssen läuft in der Wirtschaft irgendetwas grundlegend falsch. Und dies ist nicht nur in Nepal so, Nepal hat das 20 niedrigste BIP der Welt[^3], das heißt 19 anderen Ländern geht es noch schlechter. Wenn man davon ausgeht das der Geburtsort zufällig gewählt ist und bei diesen Voraussetzungen von Chancengleichheit redet um die Abschottungspolitik von Europa zu rechtfertigen, ignoriert entweder jegliche Fakten oder hat schlichtweg kein Herz.

Zu der bedrückenden Armut kommt der Smog der in ganz Kathmandu unausweichlich ist. Hier wäre man froh wenn die Autos eine Abgasprüfsoftware überhaupt eingebaut hätten, die man dann betrügen kann. Die Abgase die aus den Autos kommen sind pechschwarz und ohne Mundschutz ist man bei jeder Straßenüberquerung am husten.

Aber in Nepal ist bei weitem nicht alles schlecht, egal wo man hin kommt alle Menschen sind super herzlich und gastfreundlich. Auch wenn nicht jeder Englisch kann, kann jeder eine ganz andere Sprache, Lächeln. Ob im Slum oder im Touristenviertel, beinah jeder Nepalese empfängt einen mit einem Lächeln. Ebenfalls kenne ich kein anderes Land das offener mit seinen Religionen umgeht, viele Nepalesen besuchen hinduistische und buddhistische Tempel. Niemand wird ausgeschlossen und alle Tempel stehen zur Besichtigung frei. Die Tempeldichte in Kathmandu ist enorm, man kann keine Straße entlang gehen ohne nicht an einem Tempel oder an einem Schrein vorbeizukommen. Hinzu kommen die wunderschönen bunten Gebetsflaggen die überall gespannt sind.

Eine besondere Erfahrung die ich vorgestern erlebt habe, war ein kleines Erdbeben mit der Stärke von 4,6. Die Türen und Fenster meiner Wohnung haben gezittert und der Boden hat gewackelt. Dies war eine interessante Erfahrung die man allerdings nicht öfter erleben will.

Nepal ist ein Land der Ungleichheit, der Armut aber auch ein Land der Kulturen und der Schönheit. Kaum ein Land ist abwechslungsreicher und bietet einem täglich so viele neue Erfahrungen. Ich werde meine weitern fünf Wochen nutzen um weitere Erfahrungen zu sammeln und zum verstehen wie man mit so wenig trotzdem ein erfülltes Leben führen kann.

Für Bilder aus Nepal: https://www.instagram.com/finnmeier23/

1. https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaft
2. http://www.sueddeutsche.de/panorama/studie-zur-lebensmittelindustrie-die...
3. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/247140/umfrage/laender-mit...

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